13.07.2004: Deutsche Presse - eine Lügenfabrik

"Die Deutsche Lügenfabrik ist wieder voll in Gang", titelte vor kurzem VG in Norwegen und zeigte einen Querschnitt der aktuellen Schlag-zeilen der deutschen Klatschpresse.

Man hatte in Norwegen gehofft, dass nach der Beschwerde des Königshauses im vergangenen Jahr und nach den erfolgreich durchgefochtenen Rechtsstreits des Anwaltes Prinz, der für das Schwedische Königshaus arbeitet, endlich die falschen Schlagzeilen in der deutschen Boulevardpresse ein Ende finden. Blättert man allerdings durch die einschlägigen Zeitschriften, wird man eines besseren belehrt. Es werden üble Gerüchte gestreut, die jeder Grundlage entbehren und Behauptungen ohne Beweise oder Bestätigung.

So wird zur Zeit steif und fest behauptet, Kronprinzessin Mette-Marit sei wieder schwanger. Einige Zeitschriften wollen sogar wissen, dass sie Zwillinge erwarte. Es gibt allerdings keine offizielle Bestätigung einer Schwangerschaft von Seiten des Königshauses - und wenn eine Schwangerschaft bestätigt wird, dann gibt es keine Auskunft über das Geschlecht des Kindes oder über eine mögliche Mehrlingsgeburt. Darüber erfährt die Welt ausschließlich am Tag der Geburt.

Über die erfolgreiche offizielle Islandreise des Kronprinzenpaares wussten man leider nicht viel zu berichten. Stattdessen wurde die Kleine Prinzessin Ingrid Alexandra für "ernsthaft krank" erklärt - ein völliger Unsinn. Als Kronprinzessin Mette-Marit beim Durchschreiten einer nassen Wiese kurz ausrutsche wurde ein Foto spektakulär untertitelt: "Böser Sturz, Sorge um´s zweite Baby" und "Mette-Marit habe vor Schmerzen das Gesicht verzerrt". Norwegische Journalisten, die das Kronprinzenpaar in Island begleiteten, sprachen hingegen weder von einem Sturz noch von Schmerzen, die die Kronprinzessin gehabt haben sollte.

"Frau Aktuell" berichtet über ein "Eifersuchtsdrama im Königshaus" und bildet auf der Titelseite Kronprinzessin Mette-Marit und Prinzessin Märtha Louise ab. Es gibt keines - auch nicht im Ansatz!

Erstaunliches gibt es zu lesen, wie sich angeblich die Norwegische und die Spanische Kronprinzessinnen vertragen. "Neue Post" schreibt "Der Pakt der Prinzessinnen - Gemeinsam gegen böse Verwandten-Intrigen" während "Neue Woche" von der Feindschaft der beiden Prinzessinnen zu berichten weiß, weil Mette-Marit lieber eine frühere Freundin von Kronprinz Felipe als seine Gattin gesehen hätte. Kronprinzessin Mette-Marit habe auf der Hochzeit des Dänischen Thronfolgerpaares Letizia keines Blickes gewürdigt. Dazu sei gesagt, dass beide Schlagzeilen jeder Grundlage entbehren.

Genau wie die Norwegische Öffentlichkeit beobachtet auch das Königs-haus das Treiben in der Presse. Die Informationschefin des Wenche Rasch wollte die derzeitigen Schlagzeilen nicht kommentieren, bestätigte aber, dass man darüber informiert sei.

"Eine Titelgeschichte über die Norwegische Königsfamilie verkauft sich für uns immer gut", so die "Neue Woche"-Sprecherin. Auf dem Markt geht es um Millionen-Umsätze.


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