04.-07.10.2004: Kronprinz Haakon in Kambodscha

Kronprinz Haakon in Kambodscha - Bild: dana press

Kronprinz Haakon bereist von 4. bis 7. Oktober 2004 im Rahmen seiner Aufgaben als Goodwill-Botschafter von UNDP, dem Entwicklungshilfeprogramm der Vereinten Nationen, Kambodscha in Südostasien.

Die offizielle Reise des norwegischen Kronprinzen nach Kambodscha ist in zweierlei Hinsicht ein schwieriges Unterfangen. Das Land befindet sich in einem politischen Machtkampf einerseits und die Bevölkerung ist andererseits auf humanitäre Hilfe von außen angewiesen. Menschenrechtsaktivisten haben im Südostasiatischen Königreich einen schweren Stand. Sie fürchten nach der Kritik an die Regierung und Korruptionsvorwürfen an die Machthaber Repressalien.

Am Montag Abend Ortszeit landete Kronprinz Haakon in der Hauptstadt Phnom Penh und wurde dort, umringt von Leibwächtern, Prinz Norodom Ranariddh, Sohn König Nodom Sihanouks, begrüßt. Norwegens Kronprinz reiste in seiner Funktion als Goodwill-Botschafter des Entwicklungshilfe-programms der Vereinten Nationen zu einem viertägigen Besuch an. Seine Reise kommentierte der Kronprinz mit den Worten: "Es ist sehr schön die Möglichkeit zu bekommen hier zu sein. Hauptziel des Besuches ist die Fokussierung auf das Projekt "Tusenårsmål" der Vereinten Nationen. Ich werde versuchen darüber so viel wie möglich zu lernen."

Kambodscha hat eine sehr hohe Kindersterblichkeitsrate zu beklagen und gehört zu den Ländern mit dem höchsten Verbreitungsgrad an Landminen. Jährlich sterben mehrere tausend Menschen und unzählige werden grausam verstümmelt, weil sie auf eine vergrabene Mine treten.

Dienstag, 05. Oktober - Phnom Penh

Am Dienstag Morgen wurde Kronprinz Haakon zunächst zum Büro des Regierungschefs gefahren, wo er von Premierminister Hun Sen offiziell willkommen geheißen wurde. Wie bei Besuchen dieser Art üblichen, wurden gegenseitig Geschenke ausgetauscht.

Seine erste Station als Goodwill-Botschafter führte Kronprinz Haakon zur lokalen Bekleidungsfabrik der Quint Major Industrial Company (QMI). Diese gilt als Vorzeigebetrieb in Kambodscha, sichert sie doch den Näherinnen ein respektables Einkommen und zusätzliche soziale Absicherungen. Außerdem garantiert QMI auf Kinderarbeit zu verzichten. Die Textilindustrie alleine macht 90 % des Kambodschanischen Exportes aus. Kronprinz Haakon ließ sich interessiert die Produktion zeigen und stoppte bei der 24jährigen Son Theavy, die den norwegischen Prinzen begeistert anstrahlte und sich darüber freute, ein paar Worte wechseln zu können.

Kontrastprogramm dann bei der Besichtigung des Foltermuseums Toul Sleng. Das Museum wurde im ehemaligen Foltergefängnis der Roten Khmer in Phnom Peng eingerichtet und dokumentiert die Gräueltaten der Zeiten vor zwei Jahrzehnten. Die aufgerichteten Schädeldecken und erschütternden Bilder der geschundenen Körper der Opfer schockierten Kronprinz Haakon aufs Tiefste. 17.000 Gefangene wurden allein hier von den Roten Khmer gefoltert und umgebracht.

Kronprinz Haakon: "Es ist für mich schwierig die richten Worte zu finden, nachdem ich hier alles gesehen habe. Ich habe zwar darüber gelesen, aber es berührt einen mehr, wenn man es mit eigenen Augen sieht. Die Bilder der ein- bis zehnjährigen Kinder, die getötet wurden. Ich selbst wurde 1973 geboren, also war ich in der Zeit in dem Alter, als diese Kinder sterben mussten."

Mit Unterstützung Norwegens wird eine Dokumentationszentrale für diese düstere Zeit Kambodschas aufgebaut. Die Unrechtstaten sollen aufgearbeitet und festgehalten werden. Die vielen Toten, die in Massen-gräbern verscharrt wurden, sollen identifiziert und Täter aus der Zeit der Roten Khmer sollen ausfindig gemacht und vor Gericht gestellt werden. Schon heute sitzen zwei der ranghöchsten Anführer der Roten Khmer im Gefängnis, unter ihnen der frühere Direktor des Foltergefängnisses, das heute als Museum dient.

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04.10.2004 Reiseverlauf und Fakten über Kambodscha
03.09.2004 Ankündigung der Reise nach Kambodscha
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