14.10.2004: Haakon VII. nicht Vater von Olav V.?

Diese Aufsehen erregende Behauptung stellt jedenfalls der Autor Tor Bomann-Larsen in seinem Buch "Folket" auf. Darin schreibt er, dass Königin Maud und König Olav (damals noch dänisches Prinzenpaar), keine Kinder zusammen hätten bekommen können.

Norwegens Königshaus würde damit 1905 nicht aus einem dänischen Zweig entsprungen sein, sondern eigentlich aus dem englischen. Denn, würden die Behauptungen stimmen, wäre Königin Maud durch erst durch künstliche Befruchtung schwanger geworden. Der Vater sei nicht König Haakon VII. gewesen. Fakt ist, dass Prinzessin Maud und Prinz Carl (später Königin Maud und König Haakon VII) erst sechs Jahre nach ihrer Eheschließung ein Kind bekamen, nämlich den späteren König Olav. Er blieb das einzige Kind des Paares.

Glaubt man den Enthüllungen des Autors Bomann-Larsens, hätte sich Prinzessin Maud, die über die Kinderlosigkeit sehr verzweifelt gewesen sein soll, vom Leibarzt des britischen Königshauses, Sir Francis Laking behandeln lassen. Sir Francis Laking war nicht nur der Leibarzt  des britischen Königs, sondern zählte auch zum Freundeskreis der Familie.  Angeblich, während eines heimlichen Krankhausaufenthaltes in London im Oktober 1902, hätte der Leibarzt Prinzessin Maud mit seinem eigenen Sperma oder dem seines Sohnes Guy Francis Laking, der damals 27 Jahre alt war, künstlich befruchtet. Der Autor des neuen Buches "Folket" belegt seine Behauptung unter anderem dadurch, dass die Gesichtszüge König Olavs sich in vielen Punkten mit denen Guy Francis Lakings gleichen. Ganz im Gegensatz dazu hätten Königin Maud und König Haakon schmälere und länglichere Gesichter gehabt.

König Harald, der bereits im April/Mai diesen Jahres von der Veröffentlichung des Buch unterrichtet wurde, hatte es nicht gelesen. Einige Angestellte hatten das Manuskript gelesen, bevor das Buch in Druck ging. König Harald wollte heute dennoch selbst einen Kommentar abgeben, den das Königshaus wie folgt veröffentlichte:

"Jeder Verfasser hat das Recht sein Verständnis der Geschichte zu präsentieren, sagt S.M. der König. Das gilt natürlich auf für die Biografie von Tor Bomann Larsens über König Haakon und Königin Maud.

Der König hat keine Angaben darüber, die bescheiden würden, dass König Olav nicht der Sohn von König Haakon wäre. Prinz Carl wurde nach der Volksabstimmung im Jahr 1905 vom Storting (Parlament) zum König von Norwegen mit dem Namen Haakon VII gewählt, mit seiner Frau Maud als Königin und deren Sohn Olav als Kronprinz."

Diese offene Einstellung König Haralds wurde heute in Norwegen durchweg positiv kommentiert und hoch geschätzt.

Historiker zeigten sich überrascht und neugierig zugleich über die Enthüllungen Bomann-Larsens. Professor Guri Hjeltnes kommentierte gegenüber VG: "Es ist sehr gut, dass Bomann-Larsen die Quellen seiner Informationen preisgegeben hat. Ich glaube allerdings nicht, dass die Position des Königshauses oder die Achtung gegenüber König Olav in irgend einer Weise geschmälert werden würde."

Die Nachricht, die heute in Norwegen veröffentlicht wurde, wird bestimmt für längeren Diskussionsstoff sorgen. Konstitutionelle Konsequenzen sind jedoch nicht zu erwarten. Dies ist auch die Meinung des norwegischen Staatspräsidenten Kjell Magne Bondevik, der folgendes verlauten ließ:

"Ich kenne keinen Grund, weshalb ich das Buch von Bomann-Larsen näher kommentieren müsste. Es hat sowieso keine konstitutionelle Bedeutung heute." Bondevik unterstrich, dass es das Wichtigste sei, dass Prinz Carl vor fast 100 Jahren zu König Haakon VII von Norwegen gewählt wurde und er mit Gattin Maud und Sohn Olav nach Norwegen gekommen sei. "Kronprinz Olav übernahm 1957 den Thron und war mehr als 33 Jahre ein vom Volk außerordentlich beliebter Monarch."

Bilderreihe von VG: König Haakon und König Olav


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