30.11.2004: Märtha Louise im Interview

Bild: Cappelen-Verlag

"Ich muss mein eigenes Geld verdienen"

Prinzessin Märtha Louises (33) Kinderbuch war noch gar nicht auf dem Markt, da stürmte schon Kritik auf sie ein, sie würde ihren Namen zur Vermarktung missbrauchen. Im Gespräch mit Verdens Gang, zusammen mit Svein Nyhus, sprach sie über ihre Arbeit und ihr Leben.

Am vergangenen Samstag wurde das Buch «Hvorfor de kongelige ikke har krone på hodet» (Warum haben die Königlichen keine Krone auf dem Kopf) erfolgreich in Norwegen auf dem Markt gebracht. Das Buch beschreibt das Leben des kleinen Erbprinzen Olav (Märtha Louises Großvater), der im November 1905 mit seinen Eltern auf einem Schiff nach Norwegen kam.

Im norwegischen Sender TV2 wurde in der Sendung "Tabloid" kritisch über die Aktivitäten der Prinzessin debattiert.

"Das ironische an der ganzen Sache an diesem Abend war, dass sie mich für meine Geschäftstätigkeit kritisieren und haben dabei das ganze Programm über für mein Buch geworben.", meinte Märtha Louise - leicht genervt.

"Ich bekomme keine Apanage, also muss ich mir mein Geld selbst verdienen auf die ein oder andere Weise. Und ich glaube, es ist wirklich gut, dass ich es mit Märchen verbinde. Und für Kinder etwas zu erschaffen ist auch wichtig für mich. Ungeachtet dessen, was ich gehört hatte, glaube ich, kommt die Kritik daher, dass es kommerziell war. Aber so ist es nun mal, wenn man etwas neues macht, da bekommt man oft viel Kritik.

VG hakte nach und meinte, früher war es so, dass das Schreiben eines Märchens nicht unbedingt mit einem kommerziellen Geschäftsbetrieb assoziiert wurde.

Märtha Louise herzlich lachend: "Nein früher nicht, aber das kann sich schnell ändern."

Ob denn die Einkünfte aus dem Buch einem besonderen Zweck zufliesen würden, wurde gefragt.

Märtha: "Nein, das werden sie nicht."

Wie war die Zusammenarbeit zwischen dem Illustrator Sven Nyhus und Prinzessin Märtha Louise für diese Buch, wollte VG wissen:

Svein Nyhus: "Das ging auf ganz unterschiedliche Weise. Ich bekam die Texte über den Verlag und habe diese Illustriert. Die Skizzen habe ich Märtha Louise geschickt und ich bekam darauf ihre Reaktionen."

Wie ist es mit dem eigenen Buch zu debütieren, war die Frage an die Prinzessin.

"Das ist sehr spannend. Ich freue mich darüber und ich freue mich, das Svein das Buch erhoben hat auf ein ganz anderes Niveau, als ich es selbst hätte gekonnt."

Ob Ari denn das Buch möge?

Märtha: "Er findet es wunderbar. Der Text wurde schon einmal im Buch "Underveis" herausgegeben (ein Portrait von Erik Fosnes Hansen über mich). Später schrieb ich über die Geschichte und dachte, dass es lustig sei, es als Kinderbuch herauszugeben. Es ist schön ein Buch zu haben, das erklärt, warum die Königlichen keine Krone auf dem Kopf haben. Weil - nun wir gehen nach draußen und repräsentieren. Es gibt viele Kinder, die nicht glauben, dass ich eine Prinzessin bin, weil ich eben keine Krone habe. So kam mir die Idee, ich könnte ein Märchen schreiben, dass erklärt, warum die Königlichen keine Krone auf dem Kopf haben, obwohl sie Königliche sind."

Wie war die Beziehung zum Großvater, der im Buch praktisch die Hauptrolle spielt?

Märtha: "Er war ein toller Mensch, den ich sehr respektierte. Er war ein lebendes Lexikon, wusste alles über Geschichte und er konnte alles. Du konntest ihm absolut alles fragen und er konnte alles beantworten. Es war auch sehr sehr schön mit ihm zum Skifahren zu gehen. Er ging jeden Tag zum Skifahren, so lange er konnte. Und es war immer toll mit Großvater auf Tour zu gehen, weil er nie die lange Tour zum Berg ging, sondern immer die kürzere."

Woher kommt das große Interesse für Märchen?

"Meine eigene Erfahrung wie viel mir Märchen auf meinem Weg immer bedeuteten - ich konnte dann oft viele Probleme in meinem Leben meistern. Es ist auch, weil Märchen eine so große Verbreitung in der Welt haben, weil Menschen sie brauchen wie Nahrung. Auch heute, da wir so sehr fokussiert sind auf Äußerlichkeiten, wie man schlank wird, gut aussieht, einen Job hat usw. Durch Märchen kann man herausfinden, wer man selbst ist, entwickelt sich, fühlt sich eigenverantwortlich und bleibt sich selbst treu. Und das trägt dazu bei, eine viel bessere Dynamik in unserem Zusammenleben  zu bekommen."

Liest Prinzessin Märtha Louise Märchen laut zu Hause?

"Ja, das mache ich. Nun ist Maud Angelica fast 1 1/2 Jahre alt, also bekommt sie meist eine kleine Kurzgeschichte vor dem Einschlafen. Das ist sehr schön. Wir lesen und sie freut sich über Bücher."

Prinzessin Märtha Louise hat bereits ein großes Projekt begonnen. Sie sammelt Märchen der ganzen Welt und will sie in einem großen Buch veröffentlichen.

Wie weit es es damit gediegen und wie viel arbeitet sie daran?

"Es sieht gut aus", freute sich die schwanger Prinzessin begeistert. "Ich lese jeden Tag Märchen, alles Material der ganzen Welt, das durchgepflügt werden muss."

Auf den Geschmack gekommen für weitere Bücher?

"Ich habe derzeit keine Pläne mehr zu schreiben. Ich schreibe gerne, aber ob es wieder ein neues Buch gibt, weiß ich nicht."

Wie sieht sich Märtha Louise in ihrer Rolle als Kulturvermittlerin?

"Ich fühle, ich stehe vor einem Wert und kann einiges von diesem Wert vermitteln für uns, die wir einen Märchenschatz und ein Kulturerbe haben. Ich glaube, es ist wichtig einen Teil der Geschichte zu nehmen und gleichzeitig etwas neues zu schaffen."

Wie sehen die weiteren Arbeitspläne aus?

"Das Märchenprojekt beansprucht viel Zeit. Und außerdem werde ich ein Baby bekommen und dann eine Pause nehmen. Und ich werde ein bisschen arbeiten."

Wie geht es der Familie in New York und wie lange wollen alle dort bleiben?

"Ja, uns geht es sehr gut und wir kommen zur Geburt nach Hause".


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