1905 - Loslösung von Schweden

Norwegen errang 1905 endgültig seine Unabhängigkeit - Bild: Königshaus Norwegen  Ein überwältigendes JA für die Unabhängigkeit im Jahr 1905 - Bild: Königshaus Norwegen


Vasallenstaat
1902 kam die Frage eigener norwegischer Konsulate erneut auf die Tagesordnung, und im Herbst des darauf folgenden Jahres wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Der Ausgangspunkt schien positiv zu sein, doch 1904 kam es zu einem Rückschlag. Die schwedische Regierung stellte Forderungen, die Norwegen nicht akzeptieren konnte - die so genannten "Vasallenstaatspunkte". Das Verhältnis zwischen den beiden geplanten eigenständigen Konsulatsystemen einerseits und dem Außenminister und den Diplomaten andererseits stellte ein Hauptproblem bei den Verhandlungen dar. Schweden wollten bei Uneinigkeit das letzte Wort behalten, was für Norwegen nicht in Frage kam. Die schwedischen Forderungen riefen bei den Norwegern Verärgerung und Zorn hervor. Über die politischen Grenzen hinweg schloss man sich gegenüber Schweden zusammen. Die norwegische Regierung verlangte die Streichung der umstrittenen "Vasallenstaatspunkte", doch damit war  Schweden nicht einverstanden.

Erneutes Veto
Innerhalb von Regierung und Storting wurde die Forderung nach Auflösung der Union immer lauter. Als die Minister Christian Michelsen und Jakob Schřning ihre Ämter zur Verfügung stellten, sah Ministerpräsident Francis Hagerup keinen anderen Ausweg, als auch selbst zurückzutreten. Am 11. März 1905 bildete Christian Michelsen eine neue Regierung. Aus seiner Antrittserklärung geht hervor, dass das neue Kabinett "den verfassungsmäßigen Anspruch Norwegens auf eigene Konsulate durchsetzen und die Souveränität als selbstständiger Staat behaupten würde". Diese Formulierung beinhaltete nicht notwendigerweise ein Ende der Union, doch immer mehr Norweger sahen keinen anderen Ausweg als die Trennung von Schweden. Ende Mai beschlossen die beiden Kammern des Stortings (Odelsting und Lagting) das Konsulatgesetz. Am 27. Mai sollte das Gesetz vom norwegischen Staatsrat im Stockholmer Schloss sanktioniert werden. Als König Oscar zum Ausdruck brachte, er könne seine Zustimmung nicht erteilen, bot die Regierung ihren Rücktritt an. Einen Rücktritt wollte König Oscar zwar grundsätzlich nicht akzeptieren, er wurde aber von seinem Sohn, Kronprinz Gustaf, dazu überredet. In einem Protokollvermerk schrieb der König: "Da ich mir völlig darüber im Klaren bin, dass die Bildung einer anderen Regierung nicht möglich ist, kann ich die Rücktrittsgesuche der Minister nicht annehmen."

Die Union wird aufgelöst
Der Protokollvermerk des Königs führte zum Beschluss des Stortings am 7. Juni 1905, die Union mit Schweden aufzulösen. "Da sämtliche Mitglieder des Staatsrates ihre Ämter niedergelegt haben, da Seine Majestät der König sich außer Stande sieht, dem Land eine neue Regierung zu verschaffen, und da die konstitutionelle Funktion des Königs nicht mehr gegeben ist, erteilt das Storting den Mitgliedern des heute zurückgetretenen Staatsrates die Vollmacht, als amtierende norwegische Regierung die dem König obliegenden Befugnisse verfassungs- und gesetzesgemäß bis auf weiteres auszuüben, und zwar mit den Änderungen, die durch die Auflösung der Personalunion mit Schweden infolge der Funktionsunfähigkeit des Königs als norwegischer König erforderlich sind". Gleichzeitig wurden die norwegischen Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt, man fürchtete nämlich eine Kriegserklärung von schwedischer Seite. So weit kam es jedoch nicht, denn die öffentliche Meinung in Schweden war nicht um jeden Preis bereit, die Union mit Waffengewalt zu verteidigen. Außerdem war die Haltung der Großmächte ein wichtiger Faktor für die friedliche Auflösung der Union.  

Volksabstimmung
Schweden verlangten die Erfüllung bestimmter Bedingungen, bevor sie in die Auflösung der Union einwilligen konnten. In einer Volksabstimmung sollte festgestellt werden, ob das norwegische Volk den Beschluss des Stortings unterstützte. Am 13. August 1905 sprachen sich 368 208 Personen für die Auflösung der Union und nur 184 dagegen aus. Stimmberechtigt waren zwar nur die Männer, doch 244 765 Frauen hatten einen Aufruf zu Gunsten der Unionsauflösung unterzeichnet. Ministerpräsident Christian Michelsen sollte die Verhandlungen mit Schweden leiten. Nach langen, zähen Beratungen in Karlstad einigten sich die beiden Länder auf eine von bestimmten Bedingungen abhängige Auflösung der Union.

Ja, vi elsker dette Landet! - Ja, wir lieben dieses Land!
Mit diesen Worten beginnt auch die Norwegische Nationalhymne.

(Quelle: norwegen.no, kongehuset.no)


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