Das norwegische Storting

Das Storting - die norwegische Nationalversammlung - wurde 1814 in Eidsvoll geschaffen; seine Wurzeln aber reichen weit tiefer in die Geschichte hinein.

Eidsvoll 1814


Historie des Stortings

Schon in vorhistorischer Zeit (vor 800) kamen freie Männer auf den Allthingen im ganzen Land zusammen. Hier wurden gemeinsame rechtliche und in gewissem Grad auch gemeinsame politische Angelegenheiten erörtert. Mit der Zeit erhielten die Thinge wichtige Funktionen im Verhältnis zwischen König und Bauern. Auf einigen Thingen wurde einem Kronprätendenten gehuldigt, der dann als König angenommen wurde. Gleichzeitig mit der Einigung zu einem Reich (um 900-1030) erhielt das Land die ersten Lagthinge, die übergeordnete Thinge für ganze Landesteile waren. Auf diesen Repräsentationsthingen, wo Gesandte aus verschiedenen Regionen zusammenkamen, wurden Gerichtsurteile erlassen und Gesetze ausgearbeitet.

Die Keime einer demokratischen Entwicklung zeigen sich in Verbindung mit der Gesetzgebung. Das 1274 auf Initiative von Magnus Lagabøte festgeschriebene Landrecht war einzigartig für seine Zeit und galt bis 1660, als der dänische Unionskönig Fredrik III. die Alleinherrschaft einführte.

1807 wurden die nordischen Länder allen Ernstes in die Napoleonischen Kriege hineingezogen, mit Dänemark-Norwegen und Schweden auf den entgegengesetzten Seiten des Konflikts. Nach der Niederlage Napoleons in Rußland im Jahre 1812 versprachen die Großmächte dem schwedischen Thronfolger Karl Johan, Norwegen werde Schweden zufallen, vorausgesetzt das Land werde sich an der Vernichtung Frankreichs beteiligen. Nach dem entscheidenden Sieg von 1813 über Napoleon wollte Karl Johan eine Entscheidung im Krieg gegen Dänemark erzwingen. Der Dänenkönig Fredrik VI. ergab sich schnell und im Kieler Friedensvertrag trat er Norwegen an den König von Schweden ab.

Der dänische Thronfolger Kristian Fredrik war zu dieser Zeit Statthalter in Norwegen und sollte in dem Drama, das sich 1814 abspielte, eine entscheidende Rolle haben. Kristian Fredrik weigerte sich, den Kieler Frieden anzuerkennen und am 16. Februar berief er die "großen Männer" zu einem Treffen auf Gut Eidsvoll ein. Hier riet man ihm von der Durchführung seines ursprünglichen Plans ab, auf seinem Erbrecht zu bestehen und sich zum König ausrufen zu lassen.

Die "großen Männer" wünschten eine liberale Verfassung und betonten, ein neuer König müsse vom Volk gewählt werden. Auf dem Treffen wurde entschieden, Abgeordnete für eine Verfassungsgebende Versammlung zu wählen. Bauern, Gutsbesitzer, Staatsbeamte und Bürger über 25 Jahre konnten Wahlmännern ihre Stimme geben, die dann ihrerseits die Abgeordneten wählen sollten. Somit hatte der Gedanke der Volkssouveränität gesiegt. Ebenfalls bestimmt wurde, dass "das Volk" und seine gewählten Abgeordneten in den Kirchen den Eid darauf ablegen sollten, "Norwegens Selbständigkeit zu behaupten und Leib und Leben für das geliebte Vaterland zu wagen". Bis auf weiteres sollte Kristian Fredrik Regent des Landes sein.

Am 10. April 1814 versammelten sich die gewählten Abgeordneten zum Gottesdienst, und am Tag darauf wurde die Verfassungsgebende Versammlung eröffnet. Unter den 112 Delegierten befanden sich 37 Bauern, 13 Kaufleute, 5 Gutsbesitzer und 57 Beamte. Aufgrund langer geographischer Abstände und Zeitmangel war Nordnorwegen nicht vertreten. Zeitnot setzte auch die Verhandlungen unter Druck. Die Verfassungsgebende Versammlung wollte nämlich so schnell wie möglich ein Grundgesetz formulieren, um ein Eingreifen der ausländischen großen Mächte zu verhindern.

Als die Versammlung zusammentrat, lagen ganze zwölf Grundgesetzentwürfe vor. Ein Verfassungsausschuss von 15 Mitgliedern bekam den Auftrag, den endgültigen Entwurf zu Norwegens zukünftigem Grundgesetz auszuarbeiten. Anschließend wurden die hauptsächlichen Prinzipien und der eigentliche Text des Grundgesetzes beraten.

Am 17. Mai war die Arbeit vollendet. Ein in Reinschrift ausgefertigtes Exemplar wurde unterzeichnet und mit Siegel versehen. Noch am selben Tag wurde Christian Fredrik zum König eines freien, selbständigen und unabhängigen Norwegen gewählt. Noch heute ist der 17. Mai der Norwegische Nationalfeiertag.

Am 19. Mai erschien der König in der Verfassungsgebenden Versammlung und legte seinen Eid auf das Grundgesetz ab. Nach der letzten Sitzung in der Versammlung nahmen die Abgeordneten einander bei der Hand und riefen im Chor: "Einig und treu, bis Dovre fällt!" Damit hatte Norwegen seine Verfassung bekommen und seine Nationalversammlung, das Storting.

(Quelle: "Stortinget - Norges nasjonalforsamling". Herausgegeben 1994 von der Informations- und Dokumentationsabteilung des Stortings. Herausgegeben von Nytt fra Norge für das Kgl. Norwegische Außenministerium. Gekürzte Fassung. Vollständig nachzulesen bei ODIN.)


Die Prinzipien der Norwegischen Verfassung
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