Die Verfassung des Königreichs Norwegen

Bitte beachten Sie, daß es sich hier lediglich um einen Auszug aus der Norwegischen Verfassung handelt. Es wurden die Artikel ausgewählt, die die Rechte und Pflichten des Königs beschreiben.


Erlassen von der Reichsversammlung zu Eidsvoll am 17. Mai 1814, einschließlich der später vorgenommenen Änderungen, wobei letztere durch verfassungsrechtliche Bestimmung vom 23. Juli 1995 durchgeführt wurden.

A. Staatsform und Religion

Artikel 1

Das Königreich Norwegen ist ein freies, selbständiges, unteilbares und unveräußerliches Reich. Seine Regierungsform ist eine beschränkte und erbliche Monarchie.

Artikel 2

Alle Einwohner des Reichs haben das Recht auf freie Religionsausübung. Die evangelisch-lutherische Konfession verbleibt öffentliche Religion des Staates. Die Einwohner, die sich zu ihr bekennen, sind verpflichtet, ihre Kinder in derselben zu erziehen.

B. Die ausübende Gewalt, der König und die königliche Familie

Artikel 3

Die ausübende Gewalt liegt beim König oder bei der Königin, wenn letztere die Krone gemäß den Bestimmungen in Artikel 6 oder Artikel 7 oder Artikel 48 dieser Verfassung erworben hat. Liegt so die ausübende Gewalt bei der Königin, hat sie alle Rechte und Pflichten, die der König gemäß Verfassung und Gesetzgebung des Landes hat.

Artikel 4

Der König soll sich immer zur evangelisch-lutherischen Religion bekennen, sie ausüben und beschützen.

Artikel 5

Die Person des Königs ist heilig: er kann nicht getadelt oder angeklagt werden. Die Verantwortung liegt bei seinem Rat.

Artikel 6

Die Thronfolge ist linear und agnatisch, so daß nur in gesetzlicher Ehe geborenes Kind der Königin oder des Königs oder eines selbst Nachfolgeberechtigten die Nachfolge antreten kann, und so, daß die nähere Linie der entfernteren und der Ältere in der Linie dem Jüngeren vorangehen.

Zu den Nachfolgeberechtigten wird auch das ungeborene Kind gerechnet, das sofort nach seiner Geburt den ihm gebührenden Platz in der Thronfolge einnimmt.

Nachfolgerecht hat jedoch niemand, der nicht in gerader Linie zu der zuletzt regierenden Königin oder dem zuletzt regierenden König oder zu ihrer oder zu seiner Schwester oder zu ihrem oder zu seinem Bruder steht, oder selbst eine Schwester oder ein Bruder von ihnen ist.

Wenn in Norwegen eine nachfolgeberechtigte Prinzessin oder ein nachfolgeberechtigter Prinz geboren wird, sollen ihr oder sein Name und ihre oder seine Geburtsstunde dem ersten nach der Geburt tagenden Storting bekanntgegeben und in dessen Protokoll aufgenommen werden.

Für die vor dem Jahr 1971 Geborenen soll jedoch Artikel 6 dieser Verfassung gelten, so wie er am 18. November 1905 verabschiedet wurde. Für die vor dem Jahr 1990 Geborenen gilt dennoch, daß der Mann Vorrang vor der Frau haben soll.

Artikel 7

Lebt keine nachfolgeberechtigte Prinzessin oder kein nachfolgeberechtigter Prinz, so kann der König dem Storting seinen Nachfolger vorschlagen, wobei das Storting das Recht hat, die Wahl zu entscheiden, sofern dem Vorschlag des Königs nicht zugestimmt wird.

Artikel 8

Das Volljährigkeitsalter des Königs wird durch Gesetz festgesetzt.

Sobald der König das gesetzlich vorgeschriebene Alter erreicht hat, erklärt er öffentlich, volljährig zu sein.

Artikel 9

Sobald der König, als Volljähriger, die Regierung antritt, leistet er vor dem Storting folgenden Eid: "Ich gelobe und schwöre, das Königreich Norwegen in Übereinstimmung mit seiner Verfassung und seinen Gesetzen zu regieren, so wahr mir Gott der Allmächtige und Allwissende helfe."

Tagt zu dieser Zeit kein Storting, wird der Eid schriftlich im Staatsrat geleistet und im nächstfolgenden Storting vom König feierlich wiederholt.

Artikel 11

Der König soll innerhalb des Reichs wohnen und darf sich ohne Genehmigung des Stortings nicht länger als sechs Monate nacheinander außerhalb des Reichs aufhalten, andernfalls verliert er das Recht auf die Krone.

Der König darf ohne Genehmigung des Stortings, für die zwei Drittel der Stimmen erforderlich sind, keine andere Krone oder Regierung annehmen.

Artikel 12

Der König wählt selbst einen Rat stimmberechtigter norwegischer Bürger. Dieser Rat soll aus einem Ministerpräsidenten und mindestens weiteren sieben Mitgliedern bestehen.

Von den Mitgliedern des Staatsrats müssen sich mehr als die Hälfte zur Staatsreligion bekennen.

Der König verteilt die Staatsgeschäfte so auf die Mitglieder des Staatsrats, wie er es für zweckmäßig erachtet. Bei außerordentlichen Gelegenheiten kann der König außer den ordentlichen Mitgliedern des Staatsrats andere norwegische Bürger dazu berufen, Sitz im Staatsrat zu nehmen, jedoch keine Mitglieder des Stortings.

Eheleute, Eltern und Kinder oder zwei Geschwister dürfen nicht gleichzeitig Sitz im Staatsrat haben.

Artikel 13

Für die Zeit seiner Reisen innerhalb des Reichs kann der König die Regierungsgeschäfte auf den Staatsrat übertragen. Er soll sie im Namen des Königs und für ihn wahrnehmen. Der Staatsrat muß unverbrüchlich sowohl die Bestimmungen dieser Verfassung als auch die mit ihr übereinstimmenden besonderen Vorschriften erfüllen, die der König ihm erteilt.

Die Regierungsgeschäfte werden durch Stimmabgabe entschieden, wobei bei Stimmengleichheit der Ministerpräsident, oder bei dessen Abwesenheit das ranghöchste der anwesenden Mitglieder des Staatsrats zwei Stimmen hat.

Über die Angelegenheiten, die der Staatsrat auf diese Weise entscheidet, muß er dem König Bericht geben.

Artikel 14

Der König kann Staatssekretäre ernennen, die die Mitglieder des Staatsrats bei der Ausführung von Regierungsgeschäften außerhalb des Staatsrats unterstützen. Der einzelne Staatssekretär handelt im Namen des Mitglieds des Staatsrats, dem er zugeordnet ist, in einem Ausmaß, das dieses Mitglied bestimmt.

Artikel 16

Der König ordnet alle öffentlichen Kirchen- und Gottesdienste an, alle Zusammenkünfte und Versammlungen in Religionsangelegenheiten und achtet darauf, daß die öffentlichen Lehrer der Religion den ihnen vorgeschriebenen Normen folgen.

Artikel 17

Der König kann Handel, Zoll, Erwerbsleben und Polizei betreffende Anordnungen erlassen und aufheben; sie dürfen jedoch nicht zur Verfassung und zu den vom Storting gemäß den Artikeln 77, 78 und 79 erlassenen Gesetzen im Widerspruch stehen. Sie gelten provisorisch bis zum nächsten Storting.

Artikel 18

Der König läßt im allgemeinen die vom Storting auferlegten Steuern und Abgaben einziehen.

Artikel 19

Der König wacht darüber, daß Eigentum und Regalien des Staates auf die vom Storting bestimmte und für die Allgemeinheit nützlichste Weise angewandt und verwaltet werden.

Artikel 20

Der König hat das Recht, im Staatsrat Verbrecher zu begnadigen, nachdem das Urteil gefällt ist. Der Verbrecher hat die Wahl, entweder die Gnade des Königs anzunehmen oder sich der über ihn verhängten Strafe zu unterwerfen.

Artikel 21

Der König wählt und bestellt nach Anhörung seines Staatsrats alle zivilen, geistlichen und militärischen Beamten. Diese müssen der Verfassung und dem König Gehorsam und Treue schwören oder, falls sie durch Gesetz von der Eidesleistung befreit sind, dies feierlich versprechen. Beamte, die nicht norwegische Staatsangehörige sind, können durch Gesetz von dieser Pflicht entbunden werden. Die königlichen Prinzen dürfen keine zivilen Ämter bekleiden.

Artikel 22

Der Ministerpräsident und die übrigen Mitglieder des Staatsrats sowie die Staatssekretäre können ohne vorhergehendes Gerichtsurteil vom König verabschiedet werden, nachdem er darüber das Gutachten des Staatsrats eingeholt hat. Das gleiche gilt für die Beamten, die bei den Regierungsbehörden oder im diplomatischen oder konsularischen Dienst angestellt sind, für Personen, die an der Spitze der zivilen und geistlichen Behörden stehen, Chefs der Regimenter und anderer militärischer Korps, Festungskommandanten und oberste Befehlshaber auf Kriegsschiffen. Inwieweit den derart verabschiedeten Beamten Pension zugestanden werden soll, entscheidet das nächste Storting. In der Zwischenzeit erhalten sie zwei Drittel ihrer vorherigen Bezüge.

Andere Beamte können vom König nur suspendiert werden und sollen dann sogleich vor Gericht angeklagt werden. Sie dürfen jedoch nicht, es sei denn nach vorheriger Verurteilung, abgesetzt und auch nicht gegen ihren Willen versetzt werden.

Alle Beamten können ohne vorherige Verurteilung verabschiedet werden, wenn sie die gesetzliche Altersgrenze erreicht haben.

Artikel 23

Der König kann als Belohnung für hervorragende Verdienste, die öffentlich bekanntgegeben werden müssen, nach Gutdünken Orden verleihen, jedoch keinen anderen Rang oder Titel als den, welcher dem jeweiligen Amt zukommt. Der Orden befreit niemanden von den allgemeinen Pflichten und Lasten der Staatsbürger und bedingt durchaus nicht die bevorzugte Zulassung zu staatlichen Ämtern. Beamte, die in Gnaden verabschiedet werden, behalten Titel und Rang ihrer früheren Ämter. Dies gilt jedoch nicht für die Mitglieder des Staatsrats oder die Staatssekretäre.

Persönliche oder gemischte erbliche Vorrechte dürfen künftig niemandem zugestanden werden.

Artikel 24

Der König wählt und verabschiedet seinen Hofstaat und seine Hofbediensteten nach eigenem Gutdünken.

Artikel 25

Der König ist oberster Befehlshaber der Land- und Seestreitkräfte des Reichs. Diese dürfen ohne Zustimmung des Stortings weder verstärkt noch vermindert werden. Sie dürfen nicht fremden Mächten zwecks Dienstleistung überlassen werden, und es dürfen keine fremden Kriegstruppen, mit Ausnahme von Hilfstruppen gegen feindliche Überfälle, ohne Zustimmung des Stortings ins Reich gezogen werden.

Die Landwehr und die übrigen Truppen, die nicht zu den Linientruppen gezählt werden können, dürfen niemals ohne Genehmigung des Stortings außerhalb der Reichsgrenzen verwendet werden.

Artikel 26

Der König hat das Recht, Truppen zusammenzuziehen, Krieg zur Verteidigung des Landes zu beginnen und Frieden zu schließen, Bündnisse einzugehen und aufzuheben und Gesandte zu entsenden und zu empfangen.

Verträge über Angelegenheiten von besonderer Wichtigkeit und in allen Fällen Verträge, deren Inkrafttreten laut Verfassung ein neues Gesetz oder einen Stortingsbeschluß erfordern, werden erst bindend, wenn das Storting seine Einwilligung dazu gegeben hat.

Artikel 27

Alle Mitglieder des Staatsrats sollen, falls kein gültiger Abwesenheitsgrund für sie vorliegt, im Staatsrat anwesend sein, und es darf dort kein Beschluß gefaßt werden, sofern nicht mehr als die Hälfte der Mitglieder anwesend sind.

Mitglieder des Staatsrats, die sich nicht zur Staatsreligion bekennen, nehmen an der die Staatskirche betreffenden Behandlung von Angelegenheiten nicht teil.

Artikel 28

Vorschläge über die Besetzung von Ämtern und andere wichtige Angelegenheiten werden im Staatsrat von dem Mitglied vorgetragen, zu dessen Fachgebiet sie gehören. Die Angelegenheiten werden dann von diesem in Übereinstimmung mit dem im Staatsrat gefaßten Beschluß erledigt. Angelegenheiten, die unmittelbar mit dem militärischen Oberbefehl verbunden sind, können jedoch in einem vom König bestimmten Ausmaß von der Behandlung im Staatsrat ausgenommen werden.

Artikel 29

Kann ein Minister aus einem gültigen Abwesenheitsgrund nicht erscheinen und die Angelegenheiten vortragen, die zu seinem Fachgebiet gehören, so sollen diese von einem anderen Minister vorgetragen werden, den der König dazu beauftragt.

Sind so viele durch gültige Abwesenheitsgründe am Erscheinen gehindert, daß nicht mehr als die Hälfte der festgelegten Zahl der Mitglieder anwesend sind, so sollen andere Männer und Frauen in der erforderlichen Anzahl beauftragt werden, Sitz im Staatsrat zu nehmen.

Artikel 30

Im Staatsrat wird über alle Angelegenheiten, die dort behandelt werden, Protokoll geführt. Die diplomatischen Angelegenheiten, deren Geheimhaltung vom Staatsrat beschlossen wird, werden in ein besonderes Protokoll aufgenommen. Ebenso verhält es sich mit den Angelegenheiten des militärischen Oberbefehls, deren Geheimhaltung im Staatsrat beschlossen wird.

Jeder, der Sitz im Staatsrat hat, ist verpflichtet, aufrichtig seine Meinung zu sagen, die anzuhören der König verpflichtet ist. Diesem ist es jedoch vorbehalten, den Beschluß nach seiner eigenen Ansicht zu fassen.

Ist ein Mitglied des Staatsrats der Ansicht, daß der Beschluß des Königs im Widerspruch zur Staatsform oder zu den Gesetzen des Reichs steht oder offensichtlich dem Reich schadet, so ist es seine Pflicht, dagegen deutliche Einwendungen zu erheben, und seine Ansicht muß in das Protokoll aufgenommen werden. Wer nicht auf diese Weise protestiert hat, wird als mit dem König einig angesehen und trägt Mitverantwortung für den danach gefaßten Beschluß. Er kann daher vom Odelsting beim Reichsgericht angeklagt werden.

Artikel 31

Alle vom König ausgefertigten Beschlüsse müssen, um gültig zu werden, gegengezeichnet werden. Bei Angelegenheiten des militärischen Oberbefehls werden die Beschlüsse von dem gegengezeichnet, der die Angelegenheiten vorgetragen hat, jedoch im übrigen vom Ministerpräsidenten oder, wenn dieser nicht anwesend gewesen ist, von dem ranghöchsten unter den anwesenden Mitgliedern des Staatsrats.

Artikel 32

Die Beschlüsse, die von der Regierung während der Abwesenheit des Königs gefaßt werden, werden im Namen des Königs ausgefertigt und vom Staatsrat unterzeichnet.

Artikel 34

Der König erläßt Vorschriften darüber, welche Titel die zur Thronnachfolge Berechtigten tragen sollen.

Artikel 35

Sobald die Thronerbin oder der Thronerbe ihr oder sein achtzehntes Lebensjahr vollendet hat, ist sie oder er berechtigt, Sitz im Staatsrat zu nehmen, jedoch ohne Stimme und Verantwortung.

Artikel 36

Eine zur Thronnachfolge berechtigte Prinzessin oder ein zur Thronnachfolge berechtigter Prinz darf sich nicht ohne Erlaubnis des Königs verheiraten. Auch darf sie oder er keine andere Krone oder Regierung ohne Einwilligung des Königs und des Stortings annehmen. Für die Einwilligung des Stortings sind zwei Drittel der Stimmen erforderlich.

Handelt sie oder er dem zuwider, verlieren die Nachkommen der oder des Betreffenden das Recht auf den norwegischen Thron.

Artikel 37

Die königlichen Prinzen und Prinzessinnen sind für ihre Person niemand anderem als dem König oder der Person verantwortlich, die der König als ihren Richter bestimmt.

Artikel 39

Stirbt der König und ist der Thronfolger noch unmündig, so muß der Staatsrat sogleich die Einberufung des Stortings veranlassen.

Artikel 40

Bis das Storting zusammengetreten ist und für die Regierungszeit während der Minderjährigkeit des Königs eine Regelung getroffen hat, führt der Staatsrat die Regierungsgeschäfte unter Beachtung der verfassungsrechtlichen Grundlagen.

Artikel 41

Ist der König vom Reich abwesend, ohne im Krieg zu sein, oder ist er so krank, daß er die Regierungsaufgaben nicht wahrnehmen kann, soll die oder der zur Thronnachfolge Berechtigte, sofern sie oder er das für die Übernahme der königlichen Amtsgeschäfte gesetzlich vorgeschriebene Alter erreicht hat, die Regierungsgewalt vorübergehend ausüben. Andernfalls obliegt die Leitung des Reichs dem Staatsrat.

Artikel 43

Die Wahl der Vormunde, die anstelle des unmündigen Königs die Regierungsaufgaben wahrnehmen sollen, soll vom Storting vorgenommen werden.

Artikel 44

Die Prinzessin oder der Prinz, die oder der in den unter Artikel 41 erwähnten Fällen die Regierungsgewalt ausübt, muß dem Storting folgenden Eid leisten: "Ich gelobe und schwöre, die Regierungsgeschäfte in Übereinstimmung mit der Verfassung und den Gesetzen führen zu wollen, so wahr mir Gott der Allmächtige und Allwissende helfe."

Tagt zu dieser Zeit kein Storting, so wird der Eid im Staatsrat hinterlegt und dann dem nächsten Storting zugestellt.

Die Prinzessin oder der Prinz, die oder der einmal den Eid geleistet hat, wird ihn später nicht wiederholen.

Artikel 45

Sobald die Staatsführung der Vormunde beendet ist, müssen diese dem König und dem Storting darüber Rechenschaft ablegen.

Artikel 46

Unterlassen die Betreffenden es, gemäß Artikel 39 sogleich das Storting einzuberufen, so hat das Oberste Gericht die unbedingte Pflicht, diese Einberufung zu veranlassen, sobald vier Wochen vergangen sind.

Artikel 47

Die Leitung der Erziehung des unmündigen Königs soll, falls beide Elternteile verstorben und keiner von ihnen eine schriftliche Verfügung hinterlassen hat, vom Storting bestimmt werden.

Artikel 48

Ist das königliche Geschlecht ausgestorben und kein Thronfolger ernannt, so wird vom Storting ein neuer König gewählt. Unterdessen wird die ausübende Gewalt gemäß Artikel 40 wahrgenommen.

C. Bürgerrecht und gesetzgebende Gewalt

Artikel 49

Das Volk übt die gesetzgebende Gewalt durch das Storting aus, das aus zwei Abteilungen besteht, einem Lagting und einem Odelsting.

Artikel 54

Wahlen werden jedes vierte Jahr durchgeführt. Sie sollen jeweils bis Ende September beendet sein.

Artikel 57

Die Zahl der zu wählenden Storting-Abgeordneten beträgt 165 -- einhundertfünfundsechzig.

Artikel 58

Jedes Fylke bildet einen Wahlkreis. 157 -- einhundertsiebenundfünfzig -- Storting-Abgeordnete werden als Abgeordnete der Wahlkreise gewählt, und die restlichen 8 -- acht -- werden gewählt, um einen besseren Proporz zu erzielen.

Artikel 68

Das Storting tritt im allgemeinen am ersten Wochentag im Oktober eines jeden Jahres in der Hauptstadt des Reichs zusammen, es sei denn, der König bestimmt auf Grund außerordentlicher Umstände wie feindlicher Invasion oder ansteckender Krankheit eine andere Stadt des Reichs dazu. Eine solche Anordnung muß dann rechtzeitig bekanntgemacht werden.

Artikel 69

Unter außerordentlichen Umständen hat der König das Recht, das Storting außerhalb des üblichen Termins einzuberufen.

Artikel 70

Ein derart außerordentliches Storting kann vom König aufgehoben werden, wenn er es für gut erachtet.

Artikel 73

Das Storting wählt ein Viertel seiner Mitglieder aus, das das Lagting bildet; die übrigen drei Viertel bilden das Odelsting. Die Auswahl findet auf dem ersten ordentlichen Storting statt, das nach der Neuwahl zusammentritt, wonach das Lagting in allen auf Grund derselben Wahl zusammengetretenen Stortings unverändert bleibt, es sei denn, daß ein Mitglied ausscheidet und durch eine besondere Wahl ersetzt werden muß.

Artikel 74

Sobald sich das Storting konstituiert hat, eröffnet der König oder derjenige, den er dazu ernennt, dessen Verhandlungen mit einer Ansprache, in welcher er es über die Lage des Reichs und über Sachverhalte unterrichtet, auf die er die Aufmerksamkeit des Stortings besonders hinzulenken wünscht. Während der Anwesenheit des Königs darf keine Beratung stattfinden.

Wenn die Verhandlungen des Stortings eröffnet sind, haben der Ministerpräsident und die Mitglieder des Staatsrats das Recht, im Storting sowie in dessen beiden Abteilungen anwesend zu sein und ebenso wie die Abgeordneten, jedoch ohne das Recht auf Stimmabgabe, an den Verhandlungen teilzunehmen, soweit diese bei offenen Türen stattfinden; bei Angelegenheiten jedoch, die hinter verschlossenen Türen verhandelt werden, nur dann, wenn es von dem betreffenden Ting gestattet wird.

Artikel 75

Es obliegt dem Storting:

e. zu bestimmen, welche Summe dem König jährlich für seinen königlichen Haushalt ausgezahlt werden soll und die Apanage der königlichen Familie festzusetzen, die jedoch nicht aus Grundbesitz bestehen darf;

f. sich die Protokolle des Staatsrats und alle öffentlichen Berichte und Dokumente vorlegen zu lassen;

g. sich über die Bündnisse und Verträge informieren zu lassen, die der König im Namen des Staates mit fremden Mächten geschlossen hat;

h. jeden -- ausgenommen den König und die königliche Familie -- in Staatsangelegenheiten persönlich vorzuladen; diese Ausnahme gilt jedoch nicht für die königlichen Prinzen, soweit sie öffentliche Ämter bekleiden;

Artikel 77

Wenn ein vom Odelsting eingebrachter Gesetzesbeschluß vom Lagting oder vom gesamten Storting gebilligt ist, wird er dem König mit der Bitte um seine Sanktion übermittelt.

Artikel 78

Billigt der König den Gesetzesbeschluß, so versieht er ihn mit seiner Unterschrift, wodurch der Beschluß Gesetz wird.

Billigt er ihn nicht, so reicht er ihn dem Odelsting zurück mit der Erklärung, daß er es zur Zeit nicht für dienlich halte, ihn zu sanktionieren. In diesem Fall darf der Beschluß dem König nicht mehr von dem zu dieser Zeit zusammengetretenen Storting vorgelegt werden.

Artikel 79

Ist ein Gesetzesbeschluß von zwei ordentlichen Stortings unverändert angenommen worden, die nach zwei verschiedenen aufeinanderfolgenden Wahlen zusammengetreten sind und die ihrerseits durch mindestens zwei dazwischenliegende ordentliche Stortings voneiander getrennt sind, ohne daß in der Zwischenzeit von der ersten bis zur letzten Annahme von irgendeinem Storting ein abweichender Gesetzesbeschluß gefaßt worden ist, und wird dieser dann dem König mit der Bitte vorgelegt, daß Seine Majestät nicht einem Gesetzesbeschluß seine Sanktion verweigern möge, den das Storting nach der reiflichsten Überlegung für nützlich hält, so wird er Gesetz, auch wenn die Sanktion des Königs bis zum Auseinandergehen des Stortings nicht erfolgt ist.

Artikel 80

Das Storting bleibt versammelt, solange es dies für erforderlich hält. Wenn es, nachdem es seine Tätigkeit beendet hat, vom König aufgehoben wird, teilt dieser gleichzeitig seine Resolution über die nicht bereits vorher entschiedenen Gesetzesbeschlüsse mit (vgl. Artikel 77-79), indem er sie entweder bestätigt oder ablehnt. Alle diejenigen, die er nicht ausdrücklich annimmt, werden als von ihm abgelehnt angesehen.

Artikel 81

Alle Gesetze (ausgenommen die nach Artikel 79) werden im Namen des Königs mit dem norwegischen Reichssiegel ausgefertigt und zwar mit folgender Wendung: "Wir, N.N., geben kund, daß uns folgender Beschluß des Stortings vom genannten Datum vorgelegt worden ist:" (Hier folgt der Beschluß.) "Wir haben ihn angenommen und bestätigt, ebenso wie Wir ihn hiermit als Gesetz mit Unserer Unterschrift und dem Siegel des Reichs annehmen und bestätigen."

E. Allgemeine Bestimmungen

Artikel 108

Keine Grafschaften, Baronien, Stammhäuser und Fideikommisse dürfen in Zukunft geschaffen werden.

Artikel 112

Lehrt die Erfahrung, daß irgendein Teil dieser Verfassung des Königreichs Norwegen geändert werden soll, so soll der Vorschlag darüber auf dem ersten, zweiten oder dritten ordentlichen Storting nach einer neuen Wahl vorgebracht und durch Druckschrift bekanntgegeben werden. Aber es steht erst dem ersten, zweiten oder dritten ordentlichen Storting nach der nächsten Wahl zu, darüber zu bestimmen, ob die vorgeschlagene Änderung durchgeführt werden soll oder nicht. Jedoch darf eine solche Änderung nie den Grundsätzen dieser Verfassung widersprechen, sondern lediglich Modifikationen in einzelnen Bestimmungen betreffen, die nicht den Geist dieser Verfassung verändern, und es müssen zwei Drittel des Stortings einer solchen Änderung zustimmen. Eine derart angenommene Verfassungsbestimmung wird von dem Präsidenten und dem Sekretär des Stortings unterschrieben und dem König zur Bekanntgabe durch Druckschrift als gültige Bestimmung der Verfassung des Königreichs Norwegen übermittelt.

 

*) Storting: norwegisches Parlament

*) Der norwegische Staatsrat entspricht in etwa dem Regierungskabinett in der Bundesrepublik Deutschland.

*) Odelsting: aus 3/4 der Mitglieder bestehende Abteilung des norwegischen Stortings.

*) Fylke: Norwegen ist in 19 'Fylker' gegliedert, die in etwa den deutschen Bundesländern entsprechen, aufgrund ihrer andersartigen Zuständigkeiten jedoch nicht ganz vergleichbar sind.

Herausgegeben von Nytt fra Norge für das Kgl. Norwegische Außenministerium. Nytt fra Norge ist auch für den Inhalt des Beitrags verantwortlich. Nachdruck gestattet. Gedruckt im Februar 1996.

Den vollständigen Text der Verfassung und weitere interessante Informationen über das Königreich Norwegen können Sie nachlesen unter http://odin.dep.no


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